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Jedes Jahr findet am 3. Mittwoch im März unser Studientag im EVAngelischen Frauenbegegnungszentrum in Frankfurt statt. In der Regel beginnen wir mit einem Vortrag zu einem aktuellen theologischen Thema. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zum Austausch mit der Referentin.

Nach dem Mittagessen folgen die Arbeitsgruppen, die sich auf das Thema des Tages beziehen.

Die Mitgliederversammlung mit Bericht des Leitungsteams, Entlastung der Kollegin, die die Finanzen verwaltet, und Neuwahl des Leitungsteams schließt sich an. Auch Informationen aus dem Theologinnenkonvent der EKD und aus dem Verband der Ev. Frauen in Hessen und Nassau haben hier ihren Platz. Meist gibt es auch einen "Werbeblock" für verschiedene feministische Zeitschriften und Projekte.

Bevor der Tag zu Ende geht, sammeln wir Themenvorschläge für den Studientag des nächsten Jahres. So hat das Leitungsteam Ideen und auch ein Votum, wieviele der Anwesenden dieses Thema wünschen. Und so wie wir den Tag liturgisch begonnen haben, schließen wir ihn auch liturgisch ab. Und freuen uns auf dem Heimweg schon auf dem Studientag im nächsten Jahr!

Dokumente zum Studientag 2018 finden Sie hier.

Kein Schritt zurück!

Ein gelungener Tag

Der Start war neu. Nicht wie gewohnt im Frauenbegegnungszentrum EVA, sondern im Historischen Museum begann der Pfarrerinnentag. Doch es lag nicht nur an dem großzügigen Saal, dass die Gedanken der Pfarrerinnen schnell an Weite gewannen:

Die stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf stellte in ihrem Grußwort die nächsten Schritte der EKHN vor. Vom Transgenderpapier bis zur völligen Gleichstellung der Trauung Gleichgeschlechtlicher, nachdem die Ehe für alle beschlossen ist, wird es bei der Frühjahrssynode einige Schritte voran gehen.

Dr. Rebecca Müller ordnete in ihrem Referat den Weg der Frauenbewegung in der EKHN ein. Die Anfänge unter Kaiserin Auguste Viktoria waren geprägt von Überzeugung der göttlichen Schöpfungsordnung, der Gründungen des Deutschen Evangelischen Frauen-Bundes und der Evangelischen Frauenhilfen, die sich den radikal sozialistischen und kommunistischen Entwürfen entgegenstellten. Dann die Aufbrüche Anfang der siebziger Jahre und die starke Bewegung in den Achtzigern. Die Wechselwirkungen zwischen politischen Aufbrüchen der Linken und den bürgerlichen Überzeugungen, die in der evangelischen Kirche oft vorherrschend waren, wurde sichtbar. Aber auch die Evangelischen Akademien als Orte des Aufbruchs. Vom Tomatenwurf und dem Boykott der Früchte aus Südafrika bis zum Gleichstellungsgesetz ein oft mühsamer und langer Weg. Manche Anekdote lässt dabei das Lachen stocken. So hieß es in der EKHN 1972 noch zu einer Theologin mit bestandenem zweiten kirchlichen Examen: „Frauen von Oberkirchenräten übernehmen wir nicht!“

Prof. Dr. Christina Aus der Au entzündete ein Feuerwerk der Theologie. Heraus aus dem dualistischen Denken, das viel zu vieles ausschließt. Nicht mehr verhaftet sein in „Mann und Frau“, "evangelikal oder liberal" oder „Kirche und Theologie“. Die Vielfalt und Individualität wahrnehmen und zulassen ohne dabei ins Chaos zu fallen. Das geht vielleicht mit dem Begriff der „generous orthodoxy“, der großzügigen Orthodoxie, die Kategorien zur Beschreibung hat ohne zu hierarchisieren oder auszugrenzen. Nicht nur als Präsidentin des zurückliegenden Kirchentags in Berlin, sondern auch als Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung ist für Aus der Au Theologie immer gesellschaftsrelevant. Sie ermunterte die Teilnehmerinnen auch: „Theologie muss immer auch praktisch sein, also Professor*innen in die Gemeinden einladen und den Diskurs beginnen.“

Am Nachmittag wurde dann im Frauenbegegnungszentrum kräftig weiterdiskutiert. Mit Theologiestudentin Yvonne Försterling und Vikarin Maren Bezold über die Situation von jungen Theologinnen, mit Pfarrerin i.R. Ute Knie und Rebecca Müller über die Situation in der EKHN und mit Christina Aus der Au noch einmal über die Konkretion der nächsten Schritte. Nur die Arbeitsgruppe mit dem Blick auf die Männer hat noch nicht gezündet. Dr. Thorsten Latzel brachte deshalb diese Perspektive in die Arbeitsgruppe der jüngeren Theologinnen mit ein.

In der anschließenden Mitgliederversammlung wurde der bisherige Leitungskreis bestätigt und Yvonne Försterling hineingewählt. Forderungen waren:

  • bei den theologischen Studientagen der EKHN pro Jahr einen in Feministischer Theologie zu veranstalten und
  • weiterhin auf gendergerechte Sprache bei Veröffentlichungen und Veranstaltungen zu achten.

Angeregt wurde einen E-Mail-Verteiler einzurichten, um sich auch zwischen den Pfarrerinnentagen an Aufrufen beteiligen zu können. So wurde zum Beispiel die Unterschriftenaktion der Evangelischen Frauen „Gesunde Familien – starke Familien“ unterstützt. Diese Aktion fordert die Landesregierung auf, die Finanzierung der Beratungsangebote für Müttergenesung der Wohlfahrtsverbände zu sichern. Ebenfalls sprach sich die Mitgliederversammlung einstimmig für die Position der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau zum Paragrafen 2019a und damit für dessen Streichung aus.

Fazit des Tages: Bleibt kämpferisch, denn das momentane schleichende Unterlaufen der errungenen Selbstverständlichkeiten führt vielfach zu einem Rollback. Deshalb das Jubiläum des Frauenwahlrechts nutzen und „Kein Schritt zurück!“

Dokumente zum Studientag 2014 finden sie hier: Bilder und Texte

Dokumente zum Studientag 2013 finden Sie hier.

Dokumente zum Studientag 2012 finden Sie hier.

Dokumente zum Studientag 2011 finden Sie hier.

Dokumente zum Studientag 2010 finden Sie hier.

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